Portrait zur Arzneipflanze


Tollkirsche

Atropa belladonna - Nachtschattengewächse - Solanaceae

Beschleunigung der Herzfrequenz, Erweiterung der Pupillen, gegen die Reisekrankheit.
Schon der botanische Name erzählt vom zwiespältigen Wesen dieser Pflanze: Atropa ist abgeleitet von Atropos, der griechischen Göttin der Unterwelt, die den Lebensfaden durchtrennt; und weil italienische Frauen des Mittelalters sich Tollkirschenextrakte in die Augen tropften, um eine glänzende Iris zu bekommen, hat die Pflanze den Artnamen Belladonna, d.h. schöne Frau, erhalten. In allen Teilen von Atropa belladonna, der Tollkirsche, sind die Alkaloide Atropin und Scopolamin enthalten. In zu hoher Dosis lösen sie Vergiftungen aus, die mit Rauschzuständen und Halluzinationen einhergehen. Richtig dosiert sind die isolierten Rein-Alkaloide wichtige und segensreiche Heilmittel. In früheren Jahrhunderten ist die Tollkirsche als Droge u.a. zu kultischen Zwecken verwendet worden. Schilderungen von Hexenfesten unter dem Einfluß von Tollkirschentränken erscheinen aber häufig sehr übertrieben. Sie dürften hauptsächlich dazu gedient haben, vom Genuß der Droge abzuschrecken. Belegt ist, daß kräuterkundige Frauen von den Wirkungen der Tollkirsche wußten und die Pflanze als Heilmittel nutzten. Vor allem Kinder werden Opfer von Tollkirschenvergiftungen, wenn sie die einladend anmutenden Beeren essen. Unbehandelt kann eine schwere Vergiftung durch Atemlähmung zum Tode führen. Bei schneller ärztlicher Hilfe aber besteht Hoffnung auf Rettung: Wirksame Maßnahmen sind rechtzeitige Magenspülungen, die Verabreichung eines Gegenmittels (Physostigmin) und in schweren Fällen künstliche Beatmung. Aus der Pflanze gewonnenes Atropin wird in der Klinik zur Beschleunigung der Herzfrequenz eingesetzt. Unverzichtbar ist es als Gegenmittel bei Vergiftungen mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln (z.B. E605). In der Augenheilkunde wird Atropin bei Netzhautuntersuchungen zur Erweiterung der Pupillen genutzt. Scopolamin findet sich neuerdings in einem Pflaster gegen die Reisekrankheit.